HÜFTSCHMERZ
Als "Hü fte" bezeichnet man die vom Hüftgelen k und dessen Weichteilmantel geformte seitliche Körperpartie zwischen oberem Beckenrand und Beginn des Oberschenkels.
Der Begriff "Hü fte" dient aber auch als Kurzbezeichnung für Hüftgelen k und Hü ftbein.
Ein chronischer (= länger als drei Monate bestehender) Hüftschmerz kann durch unterschiedlichste Erkrankungen hervorgerufen werden.
Ein chronischer Hüftschmerz kann im Rahmen von Schmerz en, die von der Lendenwirbelsäule und dem Becke n in die Hü fte ausstrahlen, auftreten. Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass eine Bandscheibe vorgefallen ist, sondern ist meist im Sinne eines sogenannten „pseudoradikulären“ (= scheinbar von einer Ner venwurzel ausgehenden) Schmerzsyndroms zu sehen. Hierbei stehen Schmerz en aus Mus keln, Seh nen, Gelenkkapseln und Bändern im Vordergrund.
Die häufigste
Ursache für einen Hüftschmerz ist die
Hüftarthrose,
eine vorwiegend degenerative (=
abnutzungsbedingte)
Gelenkserkrankung,
die (mit großen Schwankungen) erst mit zunehmendem Alter auftritt.
Bei der sog. Coxart hrosis defor mans (Ar thropathia defor mans) bestehen chronische, schmerzhafte,
zunehmend funktionsbehindernde Gelenkveränderungen infolge eines Mißverhältnisses
zwischen Belastung und Belastbarkeit des Gelenkknorpels.
Betroffen sind vor allem das Hü ft- und Kn iegelenk.
Die
Ausbildung einer Arthrose
und der damit verbundene chronische Hüftschmerz kann durch mehrere
Faktoren begünstigt werden. So z.B. bei Vorschädigungen infolge eines Unfalls,
durch eine eigenständige
Gelenksentzündungen, oder auch durch eine
permanente Fehlbelastungen z.B. bei Fehlstellung der Be ine (X- oder
O-Be ine).
Zur Prävention (= Vorbeugung)
einer Ar throse
sollten deshalb präarthrotische
(= einer
Arthrose
vorausgehenden,
eine Ar throse
begünstigende)
Deformitäten (=
Fehlbildungen)
beseitigt werden.
Eher selten können auch Tumore
zu einem Hüftschmerz führen, meist geht dieser von der Innenhaut der
Gelenkkapsel (Membrana synovialis) oder von der Gelenkkapsel selbst aus.
An gutartigen Tumoren kommen vor: Lipome (=
Fettgewebsgeschwulste), Fibrome (=
Bindegewebsgeschwulste) oder Hämangiome
(= Wucherungen von Blutgefäßen). Bösartig
ist das maligne Synovialom.
Zu einem (chronische) Hüftschmerz kommt es auch bei
einer
Gelenkentzündung infolge einer Systemerkrankung. I.d.R. sind dann aber
mehrere Gelen ke betroffen. Als Ursache dominieren rheumatische
bzw. rheumatoide (= rheumaähnliche)
Prozesse.
Im Jugendalter kann ein Gelen k-
bzw. Hüftschmerz im Rahmen einer systemischen juvenilen chronischen
Arthritis (S till Syndrom) auftreten,
eine meist symmetrisch verteilte
Polyarthritis (=
En tzündung in mehreren
Gelen ken).
Begleitende Krankheitszeichen sind Fieber, Milz- und Lebervergrößerung sowie
Lymphknotenschwellungen.
Bei oder nach Infektionskrankheiten (z.B. Masern, Mumps, Röteln, Windpocken)
kann es ebenfalls zu einem Gelen k- bzw.
Hüftschmerz kommen, eine sog. parainfektiöse
reaktive Arthritis (=
Gelenken tzündung).
Relativ häufig kommen Patienten zum Schmerztherapeut wegen Schmerzen nach einer Hüftoperation, insbesondere nach einer TEP (Totalendoprothese).
Therapie bei einem Hüftschmerz:
Ein chronischer (= länger als drei Monate bestehender) Hüftschmerz führt wie jede chronische Schmerzkrankheit zu einer Art Überreizung der Schmerznerven. Unser Körper funktioniert nach dem Prinzip, dass das, was häufig im Körper passiert, durch den Organismus unterstützt bzw. auch verstärkt wird. Leider gilt dies auch für einen Hüftschmerz. Dies führt bei Dauerschmerzen zu einer Veränderung der schmerzleitenden Ner ven dahingehend, dass selbst ein geringer Reiz als starker Schmerz weitergeleitet wird.
Je nach Schmerz-Ursache gibt es meist eine auf die Grundkrankheit abgestimmte Therapie (z.B. bei zu starker Abnutzung ein chirurgischer Hüftgelenksersatz). Manchmal ist es aber noch zu früh für eine Operation oder der Hüftschmerz dauert trotz der Operation an. Dann sind allgemeine schmerztherapeutische Behandlungsmethoden gefragt, die oft bei verschiedenen Grundkrankheiten die gleichen sind, da sie sich nach dem Schmerz und seiner Ausdehnung und nicht mehr vorrangig nach seiner Ursache richten. Ein chronischer (= länger als drei Monate bestehender) Hüftschmerz erfordert praktisch immer eine Kombination von verschiedenen Therapieverfahren. Die bei einem Hüftschmerz (chronischer) üblichen Therapieverfahren der Speziellen Schmerztherapie sind:
Medikamentöse Schmerzbehandlung:
Akut
(= plötzlich einsetzend, heftig) und
subakut (= eher schleichend verlaufend) können
zunächst (vorwiegend) peripher wirkende
Analgetika
(= Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken)
eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale
Antirheumatika
(=
Rheuma
mittel),
aus dieser Gruppe möglichst lang wirkende und
magen
schonende wie z.B.
Meloxicam. Besonders magenschonend sind die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B.
Parecoxib oder Etoricoxib,
allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden
zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen werden, wie schon
andere Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Bei stärkeren
schmerzhaften Muskelverspannungen können darüber hinaus auch
Muskel
relaxanzien
(= Mittel zur Entspannung von
Muskeln) (z.B.
Orphenadrin, Tolperison) verordnet werden.
Manchmal sind aber die
Schmerz
zustände nur mit zentral wirkenden
Analgetika (z.B. Tramadol,
Tilidin, bzw. Tilidin mit Naloxon oder auch Morphin) (= im
Gehirn bzw.
Rücken
mark wirkende
Schmerzmittel)
beherrschbar.
Therapeutische
Lokalanästhesie (örtliche Betäubung)
bei einem Hüftschmerz
(chronischer):
Indem man die am Schmerzgeschehen beteiligten Ner ven
für eine längere Zeit möglichst
mehrfach täglich mit einem örtlichem Betäubungsmittel betäubt,
„beruhigt“ man diese Ner ven
und der Körper kann den Hüftschmerz wieder bis zu einem gewissen Grad „verlernen“. Zudem können Spritzen mit
einem örtlichen
Betäubungsmittel beim chronischen Hüftschmerz helfen, die Mus kulatur zu
entkrampfen und damit die Krankengymnastik zu erleichtern.
Bei einem Hüftschmerz sind häufig auch Katheterverfahren
sinnvoll. Hierbei wird über einen dünnen Kunststoffschlauch, der in örtlicher
Betäubung dicht an den schmerzleitenden Nerv gelegt wird, mehrfach täglich ein
örtliches Betäubungsmittel eingespritzt. Das örtliche Betäubungsmittel wird
dabei so verdünnt, dass die Muskelkraft weitgehend erhalten bleibt bei
gleichzeitiger deutlicher Schmerzlinderung und guter Muskelentspannung und so
begleitend eine sinnvolle Krankengymnastik möglich ist, bzw. oft erst möglich
wird.
Die das Hü ftgelenk versorgende
Ner ven
stammen aus dem sog. Ple xus l umbalis (=
Nervengeflecht der Lend e). Dieser
Plexus kann über den Nervus femora lis (=
vorderer Oberschenkelnerv),
der selbst dem Ple xus l umbalis entstammt, betäubt werden. Der dünne
Kunststoffschlauch (Katheter) wird deshalb etwas unterhalb der Leis te an den
vorderen Oberschenkelnerv gelegt, und zwar genau in dessen
Ner venscheide (=
Gewebsumhüllung der Nervs).
Während nun das verdünnte, örtliche Betäubungsmittel mehrmals täglich in
den Katheter eingespritzt wird, wird der Oberschen kel
mit einer Manschette
unterhalb der Kathetereinstichstelle abgestaut. Auf diese Weise wird das
eingespritzte örtliche Betäubungsmittel innerhalb der
Ner venscheide nach oben
„getrieben“ und betäubt dann zusätzlich den Ple xus l umbalis und damit auch
das Hü ftgelenk.
Eine sehr wichtige
Nebenwirkung dieser intensiven Blockadebehandlung ist die begleitende
Sympathikolyse (=
Unterbrechung bzw. Aufhebung der Sympathikuswirkung, was zu einer örtlichen
Weitstellung der Blutgefäße und damit zu einer erheblichen
Durchblutungssteigerung führt). Eine derartige
Durchblutungsverbesserung wirkt sowohl degenerativen (=
abnutzungsbedingten) (z.B.
Arthrosen) als auch entzündlichen Ursachen (z.B.
Arthritiden)
kausal (= ursächlich) entgegen.
Wenn ein chronischer Hüftschmerz beiderseits
besteht, wird man eher die epidurale (=
rückenmarknahe)
Betäubung mit Katheter durchführen.
Wenn ein chronischer Hüftschmerz längerfristig besteht, so ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.
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Aktualisiert:>26.07.2008</>
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